Fliesenfugen und Silikonfugen werden im Alltag oft in einen Topf geworfen – dabei sind es sehr unterschiedliche Materialien mit sehr unterschiedlichem Verhalten bei Schimmelbefall. Was bei Silikon schnell zur Frage führt, ob die Fuge ausgetauscht werden muss, ist bei Fliesenfugen oft noch behandelbar. Aber auch dort gibt es eine Grenze.
Zu wissen, wo diese Grenze liegt, spart Zeit – und verhindert, dass man mit dem falschen Mittel zu lange an einem Problem arbeitet, das sich anders lösen lässt.
Warum Fliesenfugen anders reagieren als Silikonfugen
Fugenmörtel – das Material zwischen Keramikfliesen – ist zementbasiert und porös. Er nimmt Wasser auf, trocknet aber auch wieder vollständig aus, wenn er die Chance bekommt. Schimmel setzt sich zunächst auf der Oberfläche des Mörtels fest und dringt bei anhaltender Feuchtigkeit tiefer ein.
Der entscheidende Unterschied zu Silikon: Schimmel in Fliesenfugen ist oft noch an der Oberfläche oder in den oberen Schichten des Mörtels – besonders wenn der Befall nicht zu alt ist. Das macht ihn mit den richtigen Mitteln zugänglicher als Schimmel, der tief in Silikongefüge eingedrungen ist.
Das bedeutet aber nicht, dass man unbegrenzt Zeit hat. Je länger Schimmel in einer Fliesenfuge sitzt, desto tiefer zieht er ins Material – und desto wahrscheinlicher wird ein Fugenaustausch.
Wann Reinigen noch ausreicht
Oberflächlicher Schimmelbefall in Fliesenfugen lässt sich in vielen Fällen noch gut behandeln. Erkennungsmerkmale:
- Die Verfärbung ist eher grau als tiefschwarz
- Der Befall ist auf wenige Fugen begrenzt
- Die Fugenoberfläche ist noch intakt, nicht rissig oder bröckelig
- Nach dem Reinigen hellt die Stelle sichtbar auf
In diesem Fall ist ein Chlorgel die wirksamste Wahl. Direkt auf die betroffenen Fugen auftragen, mit Frischhaltefolie abdecken, 30 bis 60 Minuten einwirken lassen. Dann mit einer Fugenbürste oder alten Zahnbürste nacharbeiten und gründlich abspülen. Bei hartnäckigeren Stellen den Vorgang nach einem Tag wiederholen.
Wasserstoffperoxid funktioniert bei frischerem, weniger tiefem Befall ebenfalls – schonender für die Fuge, aber auch weniger intensiv in der Wirkung.
Was nach der Reinigung folgen sollte: Fugen versiegeln. Ein Imprägniermittel schließt die poröse Oberfläche des Mörtels und macht es Schimmelsporen schwerer, beim nächsten Mal so schnell Fuß zu fassen. Wer diesen Schritt überspringt, startet den Zyklus früher neu.
Wann die Fuge raus muss
Es gibt Anzeichen, die klar sagen: Reinigen reicht nicht mehr.
Tiefschwarz und weit verbreitet. Wenn die Fuge dunkelgrau bis schwarz ist und der Befall sich über einen größeren Bereich erstreckt, ist der Schimmel tief ins Material eingedrungen. Reiniger kommen dort nicht mehr hin.
Keine Wirkung trotz mehrfacher Behandlung. Wer die Fuge zwei- oder dreimal mit Chlorgel behandelt und danach kaum Verbesserung sieht, kämpft gegen einen Befall, der tiefer sitzt als die Reinigung reicht.
Bröckeliger oder rissiger Mörtel. Wenn die Fugenoberfläche strukturell beschädigt ist – Risse, Ausbrüche, weiche Stellen – ist der Mörtel selbst kompromittiert. Solche Fugen können Feuchtigkeit nicht mehr zurückhalten und müssen ohnehin erneuert werden.
Schimmel direkt an der Übergangsstelle zu Silikon. Wenn der Schimmel in der Fliesenfuge direkt an eine Silikondichtung angrenzt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er bereits in das Silikon übergegangen ist. Dann reicht es nicht, nur die Fliesenfuge zu behandeln.
Wie eine Fliesenfuge ausgetauscht wird
Der Fugenaustausch ist aufwendiger als der Silikontausch, aber machbar. Alter Fugenmörtel wird mit einem Fugenkratzer, Oszillierer oder Multitool herausgefräst – dabei vorsichtig vorgehen, um die Fliesen nicht zu beschädigen. Dann Untergrund reinigen, vollständig trocknen lassen und neuen, schimmelresistenten Fugenmörtel einarbeiten.
Für Duschen empfiehlt sich ein Epoxidharz-Fugenmörtel – er ist wasserabweisend, extrem langlebig und praktisch schimmelresistent. Deutlich teurer als normaler Zementmörtel, aber in einem Nassbereich eine langfristig sinnvolle Investition.
Nach dem Verfugen: Fugen erst nach vollständiger Aushärtung belasten – Herstellerangaben beachten, meist 24 bis 48 Stunden. Danach versiegeln, bevor die Dusche wieder regulär genutzt wird.
Wer die Fugen erneuert und gleichzeitig Schimmel in der Silikonfuge hat, sollte beides auf einmal angehen – nicht erst das eine sanieren und Monate später das andere. Die Ursachen sind dieselben, die Lösung greift besser, wenn man ganzheitlich vorgeht.
Und wer anschließend die richtigen Fugenreiniger für die Dusche einsetzt, schont die neue Versiegelung und hält die Fugen länger in einem guten Zustand.
