Man zieht in eine neue Wohnung ein, inspiziert die Räume – und entdeckt in der Dusche dunkle Flecken in den Fugen, ein verfärbtes Silikon, vielleicht einen leichten muffigen Geruch. Das ist kein seltenes Szenario. Und es stellt direkt zu Beginn des Mietverhältnisses eine Frage, die unangenehm ist: Wessen Problem ist das jetzt?
Die Antwort hängt davon ab, was beim Einzug dokumentiert wurde – und was nicht.
Was beim Einzug passiert – und was oft versäumt wird
Die Wohnungsübergabe ist der entscheidende Moment. Was im Übergabeprotokoll steht, legt die Ausgangslage fest. Was dort nicht steht, existiert offiziell nicht.
Wer beim Einzug Schimmel in der Dusche entdeckt und das nicht im Protokoll festhält, hat es später schwer. Der Vermieter kann argumentieren, der Schimmel sei während der Mietzeit entstanden – also durch das eigene Nutzungsverhalten. Ohne Dokumentation ist das kaum zu widerlegen.
Was also zu tun ist, wenn beim Einzug Schimmel sichtbar ist: Fotos machen, Stellen beschreiben, und darauf bestehen, dass der Zustand im Übergabeprotokoll vermerkt wird. Wenn der Vermieter dabei ist, gemeinsam dokumentieren. Wenn nicht – schriftlich nachmelden, per E-Mail mit Lesebestätigung oder per Brief.
Das klingt bürokratisch. Es ist aber der einzige Weg, eine saubere Ausgangslage zu schaffen.
Was der Vermieter in diesem Fall leisten muss
Eine Wohnung muss beim Einzug in einem mangelfreien Zustand übergeben werden. Schimmel in der Dusche – besonders wenn er auf Verschleiß oder mangelnde Pflege durch den Vormieter zurückzuführen ist – ist ein Mangel, den der Vermieter beheben muss.
Das bedeutet konkret: Der Vermieter ist verpflichtet, die Ursache zu beseitigen und den betroffenen Bereich in einem ordnungsgemäßen Zustand herzustellen. Ob das durch Reinigung, Silikontausch oder Fugensanierung geschieht, hängt vom Ausmaß des Befalls ab.
Was der Vermieter nicht darf: den Schimmel einfach überstreichen und die Wohnung so übergeben. Wer das trotzdem versucht, überdeckt einen Mangel – mit allen Konsequenzen, die das im weiteren Verlauf haben kann.
Was man selbst tun kann – und was man besser lässt
Wer in eine neue Wohnung einzieht und Schimmel in der Dusche vorfindet, sollte zunächst den Vermieter informieren und auf Beseitigung bestehen – schriftlich, mit Fristsetzung.
Was man in der Zwischenzeit selbst tun kann: Den Befall nicht verschlimmern lassen. Das bedeutet gut lüften, Dusche trockenwischen, keine zusätzliche Feuchtigkeit einbringen. Wer die Situation durch nachlässiges Lüften noch verstärkt, gibt dem Vermieter später ein Argument in die Hand.
Was man besser nicht tut: den Schimmel eigenständig behandeln oder überdecken, ohne das vorher mit dem Vermieter abgesprochen zu haben. Wer auf eigene Faust Silikon austauscht oder die Fugen neu verfugt, kann damit unbeabsichtigt Beweise beseitigen – und trägt dann möglicherweise selbst die Kosten.
Wenn der Vermieter nicht reagiert
Reagiert der Vermieter nicht oder verweigert die Mängelbeseitigung, gibt es weitere Schritte. Ein erneutes schriftliches Mahnschreiben mit klarer Frist ist der erste. Wer danach immer noch keine Reaktion bekommt, kann einen Mieterverein kontaktieren – dort gibt es Beratung ohne sofortige rechtliche Konsequenzen.
Wichtig dabei: keine voreiligen Schritte. Mietminderung oder eigenmächtige Beauftragung von Handwerkern sind Schritte, die rechtliche Grundlagen erfordern und ohne Beratung schnell nach hinten losgehen können.
Was mit dem Schimmel passiert, wenn man selbst einzieht
Wer den Schimmel dokumentiert, den Vermieter informiert und auf Beseitigung wartet – und in der Zwischenzeit normal einzieht und duscht – sollte weiter konsequent lüften und trockenwischen. Nicht weil man für den vorhandenen Schimmel verantwortlich ist, sondern weil man nicht möchte, dass er sich in der Zwischenzeit ausbreitet.
Wer den Einzugsschimmel als Einstieg nutzt, um sich mit dem Thema vertraut zu machen – mit Ursachen, Prävention und den richtigen Mitteln – ist langfristig besser aufgestellt. Denn auch wenn der Vermieter das aktuelle Problem behebt: Die Bedingungen im Bad bleiben dieselben. Und wer weiß, wie man damit umgeht, hat es dauerhaft einfacher.
